* * *   Sarazenen Mächte   * * *



Türk-Seldschuk


          Sarazenen - Begriff  

    Sarazenen Dynastien  

          Abbasiden   750 - 1258  

          Fatimiden   909 - 1171  

          Ziriden   972 - 1152  

          Seldschuken   1040 - 1194  

          Zengiden   1126 - 1262  

          Ayyubiden   1171 - 1252  

    Salah ad-Din  





Perse

Sarazenen als Begriff

Sarazenen   ist ein Begriff, der ursprünglich einen im Nordwesten der arabischen Halbinsel siedelnden Volksstamm bezeichnete. Im Gefolge der islamischen Expansion wurde der Begriff in lateinischen Quellen als Sammelbezeichnung für die muslimischen Völker des Mittelmeerraums (und im Rahmen der christlichen Islampolemik verwendet wurde). Obgleich dieser Begriff noch heute zuweilen in historischen Darstellungen als Bezeichnung für Muslime verwendet wird, ist dieser Gebrauch geschichtswissenschaftlich nicht korrekt, da es sich um einen allgemeinen Gegnerbegriff der westlichen Christen handelt und überdies häufig nicht klar wird, welche muslimische Macht (Fatimiden, Ziriden, Abbasiden etc.) konkret damit gemeint ist.

Etymologie

Griechisch   Sarakenoi,   syrisch   Sarkaye   und lateinisch   Saraceni   bezeichnete in der Spätantike (2. bis 4. Jahrhundert) zunächst einen oder mehrere Nomadenstämme auf der Sinaihalbinsel, und zwar nach der Darstellung von Ptolemaios im Gebiet von Nabatäa. Die Herkunft des Wortes ist nicht sicher. Unter den zahlreichen Etymologien, die in moderner Zeit vorgeschlagen wurden, begegnet am häufigsten eine seit dem 18. Jahrhundert aufgekommene Herleitung   Scharqiyyun   aus arabisch   scharqi   („östlich, orientalisch, Orientale“). Die wörtliche Bedeutung wäre demnach Orientalen oder Morgenländer. Ebenfalls bedenkenswert erscheint als mögliche arabische Wurzel   sariq,   Plural   sariqin   („Plünderer“).
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Sarazenen Dynastien:

Abbasiden

Die Dynastie der Abbasiden löste 750 die Umayyaden Dynastie in der Regierung des Kalifats ab. Sie wurden wie die Umayyaden und später die Osmanen von fast allen Sunniten anerkannt.
Der Name der Abbasiden geht zurück auf Al-Abbas ibn Abd al-Muttalib, einen Onkel des Propheten Mohammed. Die Familie gehört zur Sippe der Haschemiten (ein arabischer Stamm).

Gründe des Dynastiewechsels

Die abbasidischen Kalifen kamen durch eine Bewegung an die Macht, die sich gegen die damals von vielen Muslimen als zu weltlich angesehenen Umayyaden richtete. Diese repräsentierten eher die alte mekkanische Aristokratie. Deshalb wird der Übergang von den Umayyaden zu den als „konservative Revolution“ angesehen. Es ist Konsens, dass mit Beginn der abbasidischen Herrschaft nicht nur ein Dynastiewechsel stattgefunden hat, sondern auch eine Reihe weiterer Veränderungen.
Abu Muslim, ein Perser, eröffnete 747 in Merw / Chorassan (Nord-Ost Iran) den Aufstand und trug dazu bei, dass Abu 'l-Abbâs (as-Saffah), ein Nachkomme von Onkel des Propheten Muhammad, Kalif wurde. Zulauf erhielten die Aufständischen vor allem aus der zum Islam übergetretenen persischen/iranischen Bevölkerung, die mit der Herrschaft des arabischen Adels unzufrieden war. Im Vergleich zu den Arabern wurden die persischen Muslime als Bürger zweiter Klasse behandelt, verfügten aber über großen Einfluss in Wirtschaft und Verwaltung und unterhielten zudem Kontakte zu den Schiiten, der Partei Alis. 750 brachen die Abbasiden in der Schlacht vom Großen Zab in Nordirak den letzten Widerstand der Umayyaden.
Dem folgenden Massaker an den Umayyaden entkam ein einziger Umayyaden-Prinz nach Spanien/Andalusien, wo er 756 als Abd ur-Rahman I. das Emirat von Córdoba gründete. Auch wenn Andalusien verloren ging, konnten die Abbasiden 751 in der Schlacht am Talas das gerade erst erworbene Transoxanien (Region in Zentralasien, die zwischen den Flüssen Amudarja und Syrdarja liegt) gegen die Chinesen behaupten.

Konsolidierung der Macht

Abu 'l-Abbâs as-Saffah starb 754. Sein Bruder und Nachfolger al-Mansur, den viele als den eigentlichen Gründer der abbasidischen Dynastie ansehen, ließ Abu Muslim 755 ermorden und organisierte den Staat als persisch/iranisches Großreich. Im Gegensatz zu den Umayyaden stützten sich die Abbasiden bei ihrer Herrschaft vor allem auf Iraner und später auf die Türken. In vier Jahren ließ er bis 762 Bagdad erbauen und machte es aufgrund seiner günstigen Lage zur Hauptstadt. Die Verwaltung wurde sparsam und effektiv organisiert, vollkommen in der Hand des Kalifen zentralisiert und durch ein Spitzelsystem abgesichert. Eine Rebellion der Schiiten im Hedschas wurde (762–763) unterdrückt.

Höhepunkt der Macht – Blütezeit des Islam

Al-Mansurs Nachfolger al-Mahdi (775–785) begann mit dem Aufbau eines prachtvollen Hofstaates, wobei die Sassaniden Pate standen. In der Verschwendung der Staatsgelder zu Zwecken der Repräsentation wurden die Umayyaden von al-Mahdi bald bei weitem übertroffen. Unter Harun ar-Raschid (786–809) erreichte die von seinen Vorgängern eingeleitete Entwicklung ihren Höhepunkt. Dennoch ging nach dem Verlust von Andalusien (756) auch die Kontrolle über den Maghreb verloren als Idrisiden, Rustamiden und Aghlabiden vom Kalifat die faktische Unabhängigkeit erlangten.

Trotz dieser Gebietsverluste profitierte das Reich im 8. und 9. Jahrhundert von einer einzigartigen wirtschaftlichen Expansion, die zur Entwicklung einer blühenden Stadtkultur führte. Menschen aller Berufe siedelten sich in den neuen Wirtschaftszentren an, die Wohlhabenden und die Regierung wurden von einem Spekulationsfieber erfasst. Diesem folgte ein Baufieber, das zur Errichtung neuer Paläste, Märkte und Wohnviertel führte.

Hinzu kam der Handel, der von einer gemeinsamen Sprache, Religion und Staatsangehörigkeit profitierte. Warenströme mit ungeheuren Gewinnen, begleitet von Bankgeschäften, kennzeichneten diese Zeit. Selbst ein durchschnittlicher Stoffhändler konnte bis zu 1000 Dinar Erbe hinterlassen. Außerdem zahlten Kaufleute damals nach ihrer Selbsteinschätzung Steuern, bezahlten also viel zu wenig. Die Landwirtschaft stabilisierte sich in dieser Zeit durch die Erschließung neuer Landstriche mit Hilfe von Bewässerungsanlagen, der Trockenlegungen von Sümpfen und dem nachfolgenden Anbau von Produkten wie Zuckerrohr, Datteln, Orangen und Baumwolle. Die blühende Stadtkultur führte aber zu sozialen Problemen in der muslimischen Gesellschaft. Irgendjemand musste das Geld erarbeiten, welches die wirtschaftliche Expansion ankurbelte. Das Problem blieb an den Bauern hängen. Die Steuerpächter setzten die Abgaben gern willkürlich fest, die ihnen noch dazu im Voraus bezahlt werden mussten. Auch die Abgaben, die die Christen zu zahlen hatten, wurden hart eingetrieben (siehe zu diesen Repressalien die Chronik des Pseudo-Dionysius von Tell Mahre). Viele Steuerpächter machten mit Kaufleuten, welche die Ernten aufkauften, gemeinsame Sache: den Bauern wurde viel zu wenig bezahlt und der Gewinn dann geteilt. Die Regierung in Bagdad setzte solche Leute bei Beschwerden sofort ab, aber das reichte nicht aus, denn Bagdad war fern.

Diese Überspannung des Steuersystems hatte die Verschuldung der Bauern zur Folge. Es kam zur Landflucht und zu religiös-sozial geprägten Unruhen in ganzem Kalifat. Die Unruhen waren für die Truppen des Kalifen nur schwer niederzuschlagen, da alle wichtigen Entscheidungen in Bagdad getroffen werden mussten.

Nach dem Tod Haruns 809 wurde die Macht unter den Brüdern al-Amin (in Bagdad) und al-Ma'mun (in Merw) geteilt. Aber schon 810 kam es zwischen den beiden zum Waffengang, den al-Ma'mun, der Sohn einer persischen Mutter, 813 für sich entschied. Er zog allerdings erst 819 wieder in Bagdad ein und wurde bis zu seinem Tod 833 hauptsächlich durch seine Förderung der Wissenschaft berühmt. Damals übernahmen die Muslime das wissenschaftliche Erbe der Römer und Griechen und entwickelten es weiter. Um 830 gründet al-Ma'mun zu diesem Zweck das Haus der Weisheit (bayt al-hikma), das die sunnitische Reaktion seines Nachfolgers al-Mutawakkil (847–861) allerdings nicht überstand.
Auch diese Zeit war von Aufständen begleitet.

Niedergang der Macht

Nach al-Ma'mun regierte sein Bruder al-Mutasim (833–842). Zwei Verschwörungen bewogen ihn 836 zum Bau einer neuen Hauptstadt Samarra und zur Aufstellung einer türkischen Leibgarde. In der Folgezeit waren die Kalifen in Samarra von dieser Garde (vergleiche Mamluken) vollständig abhängig. Schon Mu'tasims Nachfolger al-Mutawakkil wurde 861 von ihr auf Anstiftung seines eigenen Sohnes ermordet.

Nun wechselten sich in ähnlichen Revolten ständig machtlose Kalifen ab. Ein Kalif flüchtete nach Bagdad und wurde dort 866 belagert und später hingerichtet.
Dazu kam das innere Auseinanderbrechen des Reiches. Die Armee verbrauchte die Hälfte der Staatseinnahmen und verlangte sichere Geldquellen, weshalb schon Ma'mun mit einer persönlichen Lehenvergabe an seinen verdienten General Tahir (in Chorassan) begonnen hatte. In der Folgezeit wurde es üblich, solche Lehen (iqta) an türkische Militärführer zu vergeben, die ihre Ländereien bald als unabhängige Feudalfürsten regierten.

Ende der tatsächlichen Macht

Wegen des Niedergangs der Zentralgewalt erkannten die Tahiriden in Chorassan, die Saffariden in Sistan und die Tuluniden in Ägypten die Abbasiden nur noch nominell auf Münzen und im Freitagsgebet als Kalifen an und betrieben ansonsten eine unabhängige Politik. Um 900 beherrschten die Kalifen gerade noch den Irak, den westlichen Iran, Syrien und zeitweise Ägypten. 945 übernahmen die aus dem Iran stammenden Buyiden die Macht in Bagdad. Dann 1055 die Seldschuken unter Tughrul Beg. Erst Mitte des 12. Jahrhunderts konnten die Kalifen al-Muqtafi (1136–1160) und an-Nasir (1180–1225) ihre Autorität wieder herstellen, zu einem Zeitpunkt, als die Mongolen ihr Weltreich errichteten.

Die Abbasiden unter den Mameluken in Kairo

Nach der Eroberung und Zerstörung Bagdads 1258 durch Hülägü, der den letzten dort herrschenden Kalifen al-Mustasim hinrichten ließ, erlosch das Kalifat der Abbasiden zunächst. Allerdings gelang dem Abbasiden-Prinzen al-Mustansir, einem Onkel des letzten Kalifen, die Flucht nach Ägypten, wo ihn der soeben zur Macht gelangte Mamluken-Sultan Baibars als nächsten Kalifen einsetzte. Allerdings dienten die Abbasiden allein der Herrschaftslegitimation der Mamluken und hatten keinerlei politischen Einfluss.

Fatimiden

Die Fatimiden waren eine schiitisch-ismailitische Dynastie, die von 909 bis 1171 in Nordafrika, d. h. im Maghreb und Ägypten, sowie in Syrien herrschte.

Herkunft

Nach der Spaltung der Muslime in Sunniten und Schiiten wurden letztere von Imamen geführt, welche Nachkommen des Ali ibn Abi Talib und der Fatima waren. Allerdings kam es auch unter den Schiiten zu Spaltungen, da der Übergang der Führungsrolle nicht immer unumstritten war. So entstanden bis ins 9. Jahrhundert die schiitischen Hauptzweige der Imamiten, Ismailiten und Zaiditen. Der (vorläufig) letzte Imam der Ismailiten war Ismail ibn Dschafar.

In der Mitte des 9. Jahrhunderts begann Abdallah al-Akbar mit der Mission für seine ismailitische Lehre. Er verkündete das baldige Erscheinen des verborgenen siebenten Imams, durch den alle Gesetzesreligionen (neben dem Christentum und Judentum auch der Islam) abgeschafft und die kultlose Urreligion hergestellt werden solle.

Wegen Verfolgungen leitete er und seine Nachfolger die Mission bald aus dem Verborgenen durch Boten und Sendschreiben. Am erfolgreichsten war dabei die Mission im Irak, in Ostarabien, im Jemen und im Maghreb. Erst nach der Machtergreifung im Maghreb führten die Nachkommen von Abdallah al-Akbar ihre Abstammung auf Fatima bint Muhammad, die Tochter des Propheten Muhammad und Frau des Ali ibn Abi Talib zurück, weshalb die Dynastie als Fatimiden bezeichnet wird.

Herrschaft in Nordafrika

Nachdem der Missionar Abu Abd Allah asch-Schi’i die Lehre der Ismailiten unter den Berbern des Maghreb verbreitet hatte, stürzte er die Dynastie der Aghlabiden in Ifriqiya (Ost-Algerien, Tunesien, Libyen). Damit ebnete er den Weg für Ubaid Allah al-Mahdi, der in Ifriqiya das Reich der Fatimiden begründete. Abdallah al-Mahdi (910–934) nahm den Titel eines Kalifen an und gründete die Hauptstadt al-Mahdiya südlich von Sousse.

Von Anfang an wurde der Sturz der Abbasiden angestrebt, die aus Sicht der Fatimiden Usurpatoren waren. Zwar gelang die Unterwerfung von Algerien und Sizilien, doch scheiterte die Eroberung Ägyptens zunächst ebenso wie die Feldzüge nach Marokko.
Unter Abu l-Qasim al-Qaim (934–946) wurde Sizilien erneut unterworfen und die Küsten Italiens und Frankreichs durch Flottenexpeditionen geplündert. Um Sizilien zu befrieden, wurden die Kalbiten als Emire eingesetzt. Allerdings kam es durch den Aufstand der charidschitischen Berber unter Abu Yazid (944–947) zu einer schweren Krise, als die Aufständischen zeitweise die Hauptstadt al-Mahdiya belagerten.

Nach der Reorganisation des Reiches durch Ismail al-Mansur (946–953) und Abu Tamin al-Muizz (953–975) gelang den Fatimiden unter dem Feldherrn Dschawar as-Siqilli zwar der Vorstoß bis zum Atlantik, doch konnte die Herrschaft über Marokko nicht behauptet werden, da sich der Schwerpunkt der fatimidischen Politik auf die Eroberung Ägyptens ausrichtete.

Eroberung Ägyptens

969 gelang die Eroberung Ägyptens und der Sturz der Ishididen. Kalif al-Muizz verlegte nun 972 die Hauptstadt des Reiches nach Kairo und setzte die Ziriden als Vizekönige im Maghreb ein. Damit war dieser nur noch ein Randbereich des fatimidischen Imperiums.
Nachdem noch Abu Tamin al-Muizz die neue Reichshauptstadt Kairo gegründet hatte, wurde unter al-Aziz die fatimidische Herrschaft in Ägypten konsolidiert. Dabei wurden, trotz des schiitisch-ismailitischen Bekenntnisses der Fatimiden, die sunnitischen Muslime toleriert. Gleichzeitig wurde Palästina und Syrien bis 978 erobert sowie die Kontrolle über Mekka und Medina gewonnen. Damit unterstanden die wichtigsten Heiligtümer des Islam den Fatimiden.

Unter der fatimidischen Herrschaft nahm die Wirtschaft Ägyptens durch den Bau von Straßen und Kanälen und durch Förderung des Handels zwischen Indien und dem Mittelmeerraum einen großen Aufschwung. Im 11. Jahrhundert besaß das Reich der Fatimiden die größte Wirtschaftskraft der islamischen Reiche. Auch Kultur und Wissenschaft wurden von den Fatimiden unterstützt, wobei die Gründung der al-Azhar-Universität, heute sunnitisches Zentrum, Bedeutung erlangte.

Unter Al-Hakim (995–1021) wurde die tolerante Religionspolitik gegenüber Nichtmuslimen zunehmend aufgegeben. So wurden öffentliche Prozessionen und Kulthandlungen der Christen und Juden ebenso wie der Genuss von Wein und Bier untersagt. Zeitweise wurden auch christliche Kirchen und Klöster geplündert, um Finanzen für das Heer und den Bau von Moscheen zu beschaffen. So kam es 1009 zur Zerstörung der Grabeskirche in Jerusalem. Um 1017 entstand in Ägypten eine Sekte, die al-Hakim als die Inkarnation Gottes ansah. Aus dieser entwickelte sich später die Religionsgemeinschaft der Drusen.

Az-Zahir (1021–1036) gelang wieder die Befriedung des Reiches und die Niederschlagung einiger Beduinenaufstände in Syrien. Den Höhepunkt der Macht erreichten die Fatimiden unter al-Mustansir (1036–1094) als ismailitische Missionare im Jemen die Macht ergriffen und die Abbassiden in Bagdad 1059 kurzzeitig gestürzt werden konnten.
Allerdings führte diese ausgedehnte Machtpolitik zum Staatsbankrott und zum Niedergang der Dynastie. Zwar konnten die Ziriden in Ifriqiya durch die Abschiebung der Banu Hilal und Banu Sulaym wieder unter die Botmäßigkeit der Fatimiden gezwungen werden, doch gingen Syrien und Palästina 1076 an die Seldschuken verloren. Auch im Inneren musste die Regierung zunehmend den Befehlshabern der Truppen und den Wesiren überlassen werden.

Auch die Eroberung von Jerusalem 1099 durch die Kreuzfahrer während des Ersten Kreuzzugs und die Gründung des Königreichs Jerusalem konnten die Fatimiden nicht mehr verhindern und nach erfolglosen Rückeroberungsversuchen (Schlacht von Ramla) gerieten sie 1130 zunehmend unter den Einfluss der Kreuzfahrer. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Belagerung von Askalon (1153) durch König Balduin III. von Jerusalem verloren die Fatimiden den letzten Stützpunkt in Palästina. Um einer Eroberung Ägyptens durch die Kreuzfahrer zuvor zu kommen führte Nur ad-Din, der Herrscher von Damaskus, bereits 1163 einen Feldzug nach Ägypten, bis sein Offizier Saladin 1171 die Fatimiden stürzte und die Dynastie der Ayyubiden begründete.

Wirkung

Die schiitisch-ismailitischen Fatimiden gründeten Missionsanstalten und Schulen zur Verbreitung ihrer Lehren, welche anfangs nur denen der Sunniten entgegengesetzt waren. Obwohl die Sunniten die allegorische Interpretation des Koran verwarfen, konnten doch erhebliche Missionserfolge in der islamischen Welt erzielt werden. Auch wenn es im 11. Jahrhundert mit dem Erstarken der orthodoxen Sunniten vor allem im Iran zu erheblichen Rückschlägen kam, besaßen die ismailitischen Gemeinden doch genug Kraft, um auch nach dem Untergang der Fatimiden zu bestehen.
Für die Ismailiten sind die Fatimiden auch deshalb von Bedeutung, da unter diesen von an-Numan die Grundlage für die ismailitische Rechtsschule gelegt wurde.

Ziriden

Die Ziriden waren eine Sanhaga-Berberische Dynastie auf dem Gebiet des heutigen Algerien.

Im 10. Jahrhundert dienten sie als treue Vasallen den Fatimiden. Seitdem wurden die Ziriden als Statthalter im zentralen Maghreb / Algerien eingesetzt. Als die Fatimiden das Zentrum ihres Reiches nach Ägypten verlegten (972), wurde Ziridischer Herrscher Buluggin ibn Ziri (971–984) als Vizekönig in Ifriqiya eingesetzt. Zweimal stießen die Ziriden als loyale Vasallen gegen Nordmarokko vor (974 und um 1000). Allerdings nahmen die Fatimiden den Staatsschatz und die Flotte mit nach Ägypten. Wegen der fehlenden Flotte ging so die Kontrolle über die Kalbiten in Sizilien verloren. 1014 machten sich in Algerien die verwandten Hammadiden von den Ziriden selbständig, so dass ihr Reich nun auf Tunesien und Tripolitanien begrenzt war.

Die Beziehungen zu den Fatimiden als Oberherren waren wechselhaft aber eng. Erst 1045 kam es zum Bruch, als die Ziriden die Abbasiden in Bagdad als rechtmäßige Kalifen anerkannten.

Die Fatimiden lenkten nun die Beduinen der Banu Hilal und der Banu Sulaym nach Ifriqiya. Nach dem Abfall der Berbertruppen wurden die Ziriden besiegt und das Land von den Beduinen verwüstet.

Im Jahre 1057 beschränkte sich das Herrschaftsgebiet der Ziriden nur noch auf die Küstenstädte, während sich im Landesinneren mehrere Emirate der Beduinen bildeten. Hauptstadt des Reiches wurde nun al-Mahdiya. Da die Ziriden vom Hinterland abgeschnitten wurden, erlangte die Piraterie gegen den christlichen Handel im Mittelmeer zunehmende Bedeutung. Allerdings eroberten die Normannen von Sizilien zwischen 1146 und 1148 bis auf Tunis alle Küstenstädte. Bis 1152 konnten sich die letzten Ziriden noch in Algier halten. Dann musste auch dieses Herrschaftsgebiet an die Almohaden, eine Berber-Dynastie (1147–1269) im Maghreb (Tunesien, Algerien, Marokko) und im spanischen al-Andalus, übergeben werden.

Ein Zweig der Familie herrschte im 11. Jahrhundert über das Taifa-Königreich von Granada, bis zur Ankunft der Almoraviden 1090.

Seldschuken

Die Seldschuken (1040-1194) (Seldschuk-Türken, türkisch: Selçuklular) waren eine türkische Fürstendynastie, die das Reich der Großseldschuken begründete, das sich über Mittelasien, den Iran, Irak, Syrien, Anatolien und Teile der arabischen Halbinsel erstreckte.
Angehörige der seldschukischen Familiendynastie herrschten in Regionen wie dem Kerman (bis zum Ende des 12. Jahrhunderts), Syrien (bis zum Anfang des 12. Jahrhunderts) und Anatolien (Sultanat von Rum bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts) als Teil des Großseldschukenreichs.
Die Seldschuken waren sunnitische Muslime und leiteten mit ihrem Sieg in der Schlacht von Manzikert im Jahr 1071 die türkische Landnahme Anatoliens ein.

Anfänge

Die Seldschuken waren ein Zweig des im 8. Jahrhundert in Transoxanien eingewanderten türkischen Stammesverbands der Ogusen, jene Nomaden, die noch im 10. Jahrhundert größtenteils in der heutigen Kasachensteppe umherzogen. Namensgeber der Dynastie war Seldschuk (um 1000), Häuptling des ogusischen Stammes der Qynyk. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts trat Seldschuk mit seinen Leuten zum Islam über. Er hatte fünf Söhne, Mîkâ'îl, Isrâ'îl, Mûsâ, Yûnus und Arslan. Bei den Auseinandersetzungen zwischen den türkischen Karachaniden und den persischen Samaniden spielten die Ogusen eine bedeutende Rolle, was zu politischen Spannungen unter den ogusischen Stämmen führte. Die zu Seldschuk gehörenden Nomaden und seine Krieger lösten sich aus dem Stammesverband der Ogusen und wanderten weiter. 1025 nahm Mahmud von Ghazni den Sohn Seldschuks, Arslan, gefangen und nahm ihn als Geisel. Arslan sollte die Gefangenschaft nicht überleben.
Unter den Söhnen Mîka'îls, Tughril Beg (der Falke) und Chagri Beg brachten die Seldschuken 1034 Chorâsân unter ihrer Herrschaft und verdrängten 1040 mit der siegreichen Schlacht von Dandanaqan die Ghaznawiden.[8] 1055 zog Tughril in Bagdad ein und beendete die über hundertjährige Schutzherrschaft der Bujiden. Damit wurden die Seldschuken nach dem Sturz der Bujiden Schutzmacht über das Abbasiden-Kalifat in Bagdad. Unter Tughril Beg unterwarfen die Seldschuken große Teile Persiens und 1055 den Irak. Tughril Beg erhielt vom Kalifen in Bagdad den Titel eines Sultans verliehen.[1] Tughril verlegte die Hauptstadt des seldschukischen Reiches nach Rey in der Nähe des heutigen Teheran.

Die Gründung des Reiches der Großseldschuken und die türkische Dominanz in der islamischen Welt markierten einen Wendepunkt in der Geschichte der islamischen Zivilisation und der muslimischen Völker. Zu einem Zeitpunkt, als die Welt des Islam an inneren und äußeren Krisen litt, schafften die Seldschuken die Wiederherstellung der politischen Einheit der islamischen Welt. Wobei der wilde Charakter der Nomaden nicht gerade die beste Rolle in der kulturellen Entwicklung der muslimischen Welt gespielt hat.

Blüte

Alp Arslan (1063-1072) führte das Reich der Großseldschuken zum Höhepunkt seiner Macht. Alp Arslan war es ebenfalls, der 1071 in der Schlacht von Manzikert das Byzantinische Reich besiegte und damit die türkische Besiedlung Anatoliens einleitete.[10][11] Zwischen 1071 (Schlacht von Manzikert) und 1243 (Schlacht vom Köse Dağ) wanderten bis zu einer Million Türken in Anatolien ein.[2] Sie bildeten nicht die ethnische Mehrheit in Anatolien, waren aber die einzige Gruppe, die sich über das gesamte Gebiet verteilt hatte.[12] Die Landnahme Anatoliens durch die Seldschuken im 11. Jahrhundert bildete den Gipfel der massiven Wanderungen der türkischen Völker, die ab dem 8. Jahrhundert erfolgten.[13] Anatolien wurde in europäischen Quellen (erstmals in lateinischen) ab dem 12. Jahrhundert zur „Türkei“ (bzw. „Turchia“).[14] Unter Alp Arslan, seinem Nachfolger Malik Şâh (1072–1092) und dem persischen Wesir Nezâm al-Molk erreichte das Sultanat seinen politischen und kulturellen Höhepunkt.

Untergang

Mit der Ermordung des Wesirs Nezâm al-Molk durch die Assassinen und dem Tod von Sultan Malik-Schah (1092) brachen bald Thronkämpfe innerhalb der Seldschuken aus. Diese führten 1118 zur Teilung des Reiches in Khorasan/Transoxanien und die beiden Irak (auf dem Gebiet des westlichen Iran und des Irak gelegen). Im 11. Jahrhundert entstand in Anatolien - mit der Hauptstadt Konya - das Sultanat der anatolischen Seldschuken.[15]
Unter dem in Khorasan regierenden Sultan Sandschar (1118–1157), Sohn Malik-Schahs II., hatte die Seldschukenherrschaft eine letzte Blüte. Allerdings erlitt er 1141 bei Samarkand eine Niederlage gegen die Kara Kitai, wurde wenig später gestürzt und versuchte bis zu seinem Tod vergeblich, das Seldschukenreich wieder aufzurichten. Die Choresm-Schahs traten mit Söldnern der Kyptschaken und Ogusen sein Erbe an, eroberten bis Ende des 12. Jahrhunderts Mittelasiens und den Iran. 1194 beseitigten sie den letzten Seldschukenherrscher von Ray. In Anatolien gerieten die Rum-Seldschuken nach 1243 unter die Herrschaft der Ilchane; ihr Sultanat von Konya löste sich bis 1307 auf. Die aufstrebenden Osmanen traten zu Beginn des 14. Jahrhunderts das Erbe der Seldschuken in Anatolien an.

Organisation

Die Seldschuken, anfangs noch „Barbaren“, wussten nach der Eroberung Persiens das Beste aus den bereits existierenden Verwaltungsstrukturen zu machen. Die Verwalter und Wesire, die von nun an in ihren Diensten standen, verliehen den neuen Sultanen genau so viel Ruhm und Glanz wie zuvor den Bujiden und Ghaznawiden.[16] Doch ihr Reich war in ethnischer, sozialer und kultureller Hinsicht sehr inhomogen und deshalb nicht ohne Weiteres durch ein zentrales System regierbar.
Die Politik der Seldschuken wurde maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt:

1. die Wünsche und Bedürfnisse des Sultāns und die seiner persischen Berater und Administratoren auf der einen Seite,

2. die Bedürfnisse der turkmenischen Nomaden, die weiterhin einen wichtigen Teil der seldschukischen Streitmacht stellten, auf der anderen Seite.

Die mühevolle Balance zwischen persisch-islamischen und türkisch-nomadischen Elementen konnte die unausweichlichen Konflikte nicht verhindern. Vor allem im Osten der iranischen Welt, und ganz besonders in Transoxanien, gab es nach dem Zusammenbruch der Samaniden und Ghaznawiden, zumindest anfänglich, eine deutliche Dezentralisation der Macht und einen Rückfall in Richtung feudaler Strukturen. Die Seldschuken herrschten über ein Reich ohne feste Grenzen, und so konnte es auch vorkommen, dass bestimmte Gebiete in bestimmten Zeiten an die einheimischen Stämme zurückgegeben oder -verkauft wurden. In der Regel durften in den Peripherien des Reiches die lokalen Fürsten und Prinzen als feudale Herren weiterherrschen. Sie waren dem seldschukischen Sultan aber tributpflichtig.

Kultur

Sprache:
Die Seldschuken pflegten vor allem in der Frühzeit die nomadischen Traditionen ihrer ogusischen Vorfahren, die sie aber nach der Bekehrung zum Islam größten Teils aufgaben. Obwohl die Seldschuken im Laufe der Zeit zunehmend „iranisiert“ wurden, konnten sich dennoch türkische Traditionen und Mundarten lange erhalten. Hofsprache der Seldschuken war das Persische.

Literatur:
Die persische Literatur und Dichtkunst wurde von den Herrschern der Seldschuken großzügig gefördert.

Kunst:
Die Bedeutung der seldschukischen Kunst im größeren Kontext der islamischen Kunst liegt vor allem darin, dass sie die dominierende Rolle Persiens etablierte, die vergleichbar ist mit der Rolle Italiens in der europäischen Kunst, und prägte damit auch die zukünftige Entwicklung der persischen Kunst für kommende Jahrhunderte.

Zengiden

Die Zangiden oder Zengiden waren eine türkische Dynastie in Nordsyrien und dem Nordirak (1126 – 1262).

Begründer der Dynastie war der Mamluke Aq Sunqur al-Hajib, der den Seldschuken als Atabeg (Erzieher) des Seldschukenprinzen Tutusch I. in Aleppo diente. Sein Sohn Imad ad-Din Zangi (1127–1146) wurde 1127 Statthalter im Irak (mit Bagdad) und eroberte 1128 Mosul, so dass er bald große Teile des Irak und Syriens beherrschte. Die Unterwerfung von Damaskus scheiterte aber 1140, als dieses sich mit den Kreuzfahrern verbündete. Er nahm den Kampf gegen die Kreuzfahrer im nördlichen Syrien auf und eroberte 1144 die Grafschaft Edessa von den Kreuzfahrern. 1146 wurde Imad ad-Din ermordet.

Sein Sohn Nur ad-Din Zangi (1146–1174) erbte Syrien, während Saif ad-Din Ghazi I. mit dem Irak bedacht wurde und in Mosul eine eigene Linie der Dynastie gründete (1146–1262). Nur ad-Din führte die Herrschaft der Zangiden zum Höhepunkt indem er nach der Unterwerfung von Damaskus (1154) das ganze muslimische Syrien vereinigte. 1149 errang er bei Inab den ersten großen Sieg über die Kreuzfahrer. Außerdem förderte er die Wirtschaft sowie die Bildung durch die Errichtung von Madrasan um die orthodoxen Sunnismus in Syrien weiter durchzusetzen und den Einfluss der Schiiten zu beschneiden.

Unter seinem General Schirkuh gelang 1168 auch die Unterwerfung der Fatimiden in Ägypten. Saladin, der Nachfolger von Schirkuh in Ägypten stürzte die Fatimiden und begründete die Dynastie der Ayyubiden. Es kam zu erheblichen Spannung mit Nur ad-Din, der Saladin als seinen Vasallen betrachtete.

Der Tod Nur ad-Dins 1174 verhinderte den Krieg. Saladin nutzte diesen aus, indem er Syrien besetzte und Nuraddins Sohn Ismail stürzte. Auch die Nebenlinien der Zangiden in der Al-Dschazira (1250) und Sindschar (1220) wurden von den Ayyubiden beseitigt. 1262 wurde die Nebenlinie in Mosul durch die Ilchane gestürzt.

Ayyubiden

Die Ayyubiden waren eine muslimisch-kurdische Dynastie, die von 1171–1252 in Ägypten herrschte. Benannt ist die Dynastie nach Nadschmuddin Ayyub, dem Vater Saladins.

Mit dem Niedergang der Fatimiden in Ägypten begannen verstärkte Angriffe der Kreuzfahrer des Königreichs Jerusalem. Gegen diese riefen die Fatimiden die Zengiden zur Hilfe, die Syrien beherrschten. Diese entsandten Truppen unter Sirkuh nach Ägypten, der sich zum Wesir ernennen ließ. Nach seinem Tod wurde sein Neffe Saladin 1169 Wesir. Er beseitigte 1171 die Dynastie der schiitisch-ismailitischen Fatimiden-Sultane und begründete die kurdischstämmige Dynastie der Ayyubiden.

Unter Saladin (1171–1193) wurde Ägypten reorganisiert und die Wirtschaft durch die Förderung von Landwirtschaft und Handel weiter gestärkt, um die Kreuzfahrer aus Jerusalem und Palästina vertreiben zu können. Bis 1181 wurde die Herrschaft über Syrien, Obermesopotamien, den Jemen und Nubien ausgedehnt, so dass Saladin bis auf Bagdad die arabischen Kernländer regierte. Nach Festigung der Herrschaft besiegte Saladin die Kreuzfahrer am 4. Juli 1187 in der Schlacht bei Hattin bei Tiberias entscheidend und eroberte Jerusalem. Im nun folgenden 3. Kreuzzug konnten die Kreuzfahrer zwar die Küstenstädte teilweise zurückerobern (z. B. Akkon), doch konnte Jerusalem nicht zurückerobert werden.

Da Saladin vor seinem Tod das Reich teilte, kam es zunächst zu Machtkämpfen, bei den sich al-Adil I. (1200–1218) gegen al-Malik (1193–1200) durchsetzen konnte. Zwar teilte auch al-Adil das Reich vor seinem Tod, doch konnte sein Nachfolger al-Kamil (1218–1238) den Angriff von Kreuzfahrern auf Ägypten abwehren und den 5. Kreuzzug (1228–1229) unter Kaiser Friedrich II. durch Verhandlungen, bei denen das unbefestigte Jerusalem abgetreten wurde, beenden. Kurz vor seinem Tod konnte sich al-Kamil auch in Syrien durchsetzen.

Nach dem Ausbruch dynastischer Machtkämpfe gelang es as-Salih (1240–1249) das Ayyubidenreich wieder zu vereinigen, auch wenn Nordsyrien, Obermesopotamien und der Jemen endgültig verloren gingen. Ebenso konnte er 1244 Jerusalem endgültig von den Kreuzfahrern erobern.

Unmittelbar nachdem der erneute Angriff des 6. Kreuzzugs (1249–1254) auf Ägypten abgewehrt worden war, fiel der letzte Ayyubide Turan Schah einer Verschwörung der türkischen Mamluken im Heer zum Opfer als er deren Einfluss einschränken wollte. Bis 1257 führte nun dessen Stiefmutter Schadschar ad-Dur als Regentin die Regierung, wobei sie den Mamlukenführer Aybak heiratete. Dieser erhob sich als al-Malik al-Muizz 1252 zum Sultan, beendete die Dynastie der Ayyubiden in Ägypten und begründete das Mamlukenreich (1252–1517).

Seitenlinien der Ayyubiden herrschten in Damaskus und Aleppo noch bis 1260, in Homs bis 1262 und in Hama bis 1341. Daneben gab es auch noch ayyubidische Herrscher in Hasankeyf bei Batman.

Im Gegensatz zu den Fatimiden und den folgenden Mamluken regierten die Ayyubiden keinen Zentralstaat. Vielmehr wurden die Söhne des Herrschers und andere Seitenzweige der Dynastie an der Verwaltung des Reiches beteiligt. Dies führte allerdings nach dem Tod eines Herrschers immer wieder zu Kämpfen um die Einheit des Gesamtreichs.

Salah ad-Din

Saladin (arabisch: Salah ad-Din Yusuf bin Ayyub, mit dem Titel al-Malik an-Nasir. Geboren 1137 oder 1138 in Tikrit; † 3. März oder 4. März 1193 in Damaskus) gründete die Dynastie der Ayyubiden von Ägypten und Syrien.

Als Sultan Saladin wurde er zu einem Mythos, zum größten aller Helden der muslimischen Welt und vorbildhaften islamischen Herrscher. Die irakische Provinz Salah ad-Din und der Adler Saladins sind nach ihm benannt.

Saladin stammte aus einer kurdischen Familie. Sein Vater Nadschmuddin Ayyub wurde in Dwin im heutigen Armenien geboren und diente mit seinem Bruder Schirkuh im Heer Zengis und seines Sohnes Nur ad-Dins. Der Vater erbat von Nur ad-Din für seinen Sohn eine Offiziersstelle und erhielt sie. Der Herrscher von Damaskus, Nur ad-Din, befahl 1163 Saladin, seinen Onkel Schirkuh auf einem Zug nach Ägypten zu begleiten.

1169 erhielt Saladin nach der Eroberung Ägyptens und dem Tod seines Onkels den Oberbefehl über Ägypten, zuerst noch als Wesir des letzten Fatimidenkalifen al-Adid. Nach dessen Tod herrschte Saladin allein als Sultan von Ägypten. Saladin stellte die sunnitische Orthodoxie in Ägypten wieder her, überwarf sich aber 1174 mit Nur ad-Din. Nach Nur ad-Dins Tod im selben Jahr ergriff Saladin gegen dessen minderjährigen Erben auch die Herrschaft über Syrien. Saladin heiratete die Witwe Nur ad-Dins und übernahm dessen Reich.

Mit der Angliederung von Aleppo im Jahr 1183 und Mossul im Jahr 1186 hatte Saladin endlich die Macht, das Königreich Jerusalem anzugreifen und sein größtes Ziel zu erreichen, die Rückeroberung von dessen Hauptstadt. Nach dem entscheidenden Sieg über die Kreuzfahrer unter Guido von Lusignan in der Schlacht bei Hattin am 4. Juli 1187, eroberte er am 2. Oktober 1187 Jerusalem und setzte damit der christlichen Herrschaft über die Stadt nach 88 Jahren vorerst ein Ende.
Nach der Schlacht bei den „Hörnern von Hattin“ die überlebenden Ordensritter (bis auf den Templermeister) hinrichten ließ. Die übrigen Gefangenen wurden in die Sklaverei verkauft, was den Preis für Sklaven so verfallen ließ, dass man einen christlichen Sklaven für ein Paar Sandalen eintauschen konnte.

Als Gegenleistung für die Kapitulation Jerusalems soll er die christliche Bevölkerung, die über Vermögen verfügte, gegen ein Kopfgeld in die Freiheit entlassen haben. Von den ca. 20.000 Menschen, die dieses Kopfgeld nicht selbst aufbringen konnten, wurden 7.000 für eine Pauschalsumme von 30.000 Dinaren freigekauft. Ein „Auslösungsschatzamt“ wurde gegründet, das die Vereinnahmung der Freikaufsbeträge für die vermögenderen Einwohner vornahm. Wer sich nicht freikaufen konnte, wurde in Ketten gelegt und in die Sklaverei verkauft. Als al-Adil, der Bruder Saladins das Elend der nicht Freigekauften sah, bat er den siegreichen Feldherrn, ihm 1.000 Sklaven zu schenken. Saladin erfüllte die Bitte und sein Bruder ließ die ihm geschenkten Sklaven frei. Saladin selbst ließ jeden alten Mann und jede alte Frau frei und bewahrte sie damit vor dem Schicksal der Sklaverei.

Bis 1189 eroberte er weite Teile der Kreuzfahrerstaaten Jerusalem, Tripolis und Antiochia. Erst der Dritte Kreuzzug konnte ihn daran hindern, die Kreuzfahrerstaaten vollständig zu vernichten. Während diesem verlor er 1191 die wichtige Hafenstadt Akkon und erlitt Niederlagen gegen Richard Löwenherz bei Arsūf und 1192 bei Jaffa. 1192 kam es zum Waffenstillstand zwischen ihm und seinem Gegner, dieser dauerte drei Jahre und acht Monate.

Saladin starb am 3. März 1193 im Alter von 55 Jahren in Damaskus, und sein Reich begann alsbald zu zerfallen. 17 Söhne, 35 Neffen, die Gatten seiner Töchter und einige seiner Brüder stritten sich um das Erbe. Sein Mausoleum befindet sich heute unmittelbar vor der Umayyaden-Moschee.



Ein ritterlicher Gegner

Saladins Beziehung zu König Richard I. Löwenherz von England war neben militärischer Gegnerschaft von großem gegenseitigem Respekt geprägt. Als Richard bei der Belagerung von Akkon erkrankte, soll Saladin ihm die Dienste seines Leibarztes angeboten und ihm Pfirsiche und Schnee vom Berg Hermon zur Kühlung von Getränken gesandt haben. Als Richard im Kampf bei Jaffa sein Pferd unter dem Leib weggeschossen worden war, habe er ihm durch einen Sklaven zwei edle Araberpferde bringen lassen, damit er standesgemäß weiterkämpfen könne – was wegen der ungewöhnlich ritterlichen Verhaltensweise bei den Chronisten größtes Aufsehen erregte. Während der Kampfpausen pflegte man diplomatischen Kontakt miteinander. Gesandte nahmen an Festlichkeiten, Turnieren und Jagdausflügen teil und man sandte sich Geschenke: Der Legende nach einen weißen kurdischen Jagdfalken für Richard, als Gegengabe einen andalusischen Rappen für Saladin.

Um den Krieg im Heiligen Land zu beenden und nach Europa zurückkehren zu können, um seine ins Wanken geratene Herrschaft in England und Frankreich zu sichern, bot Richard an, dass al-Adil, Saladins Bruder, Johanna, die Schwester Richards und Königinwitwe von Sizilien heiraten sollte: Sie würde die christlich kontrollierten Gebiete Palästinas erhalten, Saladin solle seinen Bruder mit dem übrigen Heiligen Land belehnen, gemeinsam solle das Paar von Jerusalem aus regieren und das Land solle allen Christen und Moslems offenstehen – für Muslime und Christen damals nahezu unvorstellbar. Auch wenn diese romantischen Vorschläge von beiden Seiten letztlich nicht allzu ernst genommen wurden, macht der Vorschlag die gegenseitige Wertschätzung deutlich.

Ähnliches ist von seinen diplomatischen Beziehungen zu Friedrich I. Barbarossa überliefert, bei dem er 1173 für seinen Sohn angeblich um die Hand dessen Tochter anhielt, mit der Option, dass jener dann zum christlichen König gekrönt werden möge. Dies dürfte jedoch ein Gerücht sein, das später von christlichen Troubadouren verbreitet wurde. Die hierfür nach Aachen entsandte ägyptische Delegation soll ein halbes Jahr an Barbarossas Hof verweilt haben, wo sie vermutlich über ein Bündnis gegen Byzanz verhandelte. Nach der Rückeroberung Jerusalems durch Saladin soll Barbarossa diesen in einem Schreiben vom 26. Mai 1188 zu einem ritterlichen Duell am 1. November 1189 in der ägyptischen Ebene Zoan aufgefordert haben. Dieser Brief ist allerdings wahrscheinlich eine englische Fälschung. Bekanntermaßen erreichte Barbarossa sein Ziel nicht, und von einer Antwort Saladins ist nichts bekannt.

Im Orient hingegen rückte die Gestalt Saladins erst durch die positive Bewertung des Sultans in Europa wieder in das Bewusstsein. So weckte insbesondere die Orient-Reise des deutschen Kaisers Wilhelm II. im Jahr 1898, bei der er auch das Grab Saladins in Damaskus besuchte, das Interesse der Muslime.



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