* * *   Vorfeld der Kreuzzüge   * * *



Papast


Ursachen der Kreuzzüge

Einen immer währenden Diskussionsstoff bilden die Ursachen, die zum Ausruf der Kreuzzüge bildeten.

Ein kleiner Beitrag:

Die Idee, einen kriegerischen Zug gegen die Moslems im Nahen Osten und später gegen Nichtchristen in weiten Teilen Europas zu führen, kam nicht von jetzt auf gleich und muß als Ergebnis vielschichtiger historischer und politischer Entwicklungen betrachtet werden. Der Kreuzzug ist außerdem als gedankliche Konzeption keineswegs ein Phänomen allein des ´dunklen` Hochmittelalters, wie heutige politische Ereignisse zeigen. Dennoch ist im Folgenden die Frage zu klären, warum der Gedanke eines bewaffneten Kreuzzuges im Hochmittelalter erstmals aufkam.



Bazilevs

Dazu ist es unerlässlich, sich in grundlegenden Zügen die politische Situation im 11. Jahrhundert zu vergegenwärtigen. Mit Rom und Konstantinopel hatten sich zwei geistig-kulturelle Zentren im Mittelmeerraum herausgebildet, was dieser Region eine weltbestimmende Bedeutung verlieh. Beide Städte bildeten zusammen außerdem das Zentrum der christlichen Welt, Rom als Hauptstadt des weströmischen Reiches und Sitz des Papstes (Zentrum des Katholizismus) und Konstantinopel als Hauptstadt des byzantinischen Reiches und Sitz des Patriarchen der Ostkirche (Zentrum der Orthodoxie).

Noch im Frühmittelalter konnte von einer die Existenz der christlichen Sphäre gefährdenden Bedrohung von außen nicht die Rede sein. Auch die Ausdehnung des eigenen Herrschaftsbereiches hatte keine Priorität, denn man hatte genug mit sich selbst zu tun. Diese Situation änderte sich jedoch im 11. Jahrhundert aufgrund des Machtzuwachses islamischer Reiche. Zunächst untereinander zerstritten, waren die muslimischen Stämme auf dem Weg einer Einigung; der Gedanke an ein großislamisches Reich ließ zeitweise die religiösen Differenzen zwischen Sunniten und Schiiten in den Hintergrund treten. Es bildeten sich mächtige Reiche heraus, die eine ernsthafte Bedrohung für die christliche Welt darstellten.

Allen voran ist das Reich der Seldschuken zu nennen, das seine Herrschaft in Vorderasien ausgebaut hatte und unmittelbar an das oströmische Reich angrenzte. Der Stamm der Seldschuken war ein durchaus ebenbürtiger Gegner und musste demnach als konkrete Bedrohung der christlichen Welt wahrgenommen werden. Je weiter sich die muslimischen Stämme auf ehemals hellenistischem Gebiet ausbreiteten, desto deutlicher traten die religiösen, aber auch die kulturellen und politischen Unterschiede zwischen Christen und Moslems zutage. Zwar zeichneten sich die islamischen Stämme weitgehend als tolerant gegenüber der christlichen und jüdischen Religion aus, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Islam als die dominierende Glaubensrichtung akzeptiert wurde.
Es kann also davon ausgegangen werden, dass es durchaus gewaltsame Übergriffe auf Christen gegeben hat, die als besondere Provokation aufgefasst wurden, wenn sie sich gegen friedliche Pilger in Israel und Palästina richteten. Hinzu kam, dass die christliche Welt seit der Zerstörung der Grabeskirche auf Befehl des Fatimiden Kalifen Al-Hakim im Jahr 1009 in einen Alarmzustand versetzt war.

Ein offener Konflikt schon zu Beginn des 11. Jahrhunderts konnte nur aufgrund des diplomatischen Vorgehens Konstantinopels verhindert werden. Die byzantinische Regierung schloss einen Friedensvertrag mit den Fatimiden, der dazu führte, dass die Grabeskirche wieder aufgebaut werden konnte und der byzantinische Kaiser als Schutzherr über die heiligen christlichen Stätten anerkannt wurde. Aufgrund der umsichtigen Handlungsweise seiner Herrscher kam im byzantinischen Reich kein Gedanke an einen religiös motivierten Kriegszug auf. Ganz anders war die Reaktion im Westreich: Jerusalem, die Stadt in der Christus gewirkt hatte, das Symbol für die Erlösung der Menschheit, war von ´Ungläubigen` entweiht worden; diese Erschütterung verbreitete sich vor allem in weltlichen Gesellschaftsschichten.

Schnell setzte sich die Überzeugung durch, dass von Moslems kontrollierte Gebiete zurückerobert werden müssten. Vor allem wurde der Gedanke, dass die heiligen Stätten nun von Ungläubigen kontrolliert würden, unerträglich. Diese Haltung führte in der Folgezeit zu einer generellen Feindseligkeit gegenüber dem Islam, so dass man sich in ganz West-Europa genötigt fühlte, die christliche Religion gegen den Islam, später sogar gegen alles Nichtchristliche, zu verteidigen.

Im Zentrum des nun aufkommenden Kreuzzugsgedankens stand aber die Rückeroberung des Heiligen Landes. Jerusalem war aufgrund der herausgehobenen Stellung als bedeutendster Wallfahrtsort der Christenheit das Ziel eines jeden Kreuzzuges ins heilige Land, was zu teilweise militärtaktisch fragwürdigen Entscheidungen geführt hat.

Karte von www.Wikimedia.de:
Konfessionen in der Mittelmeer Region und erster Kreuzzug



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